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Reportagekategorie: TREKKING
Zusammenfassung und Textauszüge
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Diesen Zusammenfassung auf
Niederlande: Stadtwanderung

Leiden

.Text & Fotografie: Paul Smit

Hans Olijerhoek und seinen Antiquitätenladen De Klare Lijn

.

Zusammenfassung

Ein Heimspiel, denn Leiden ist der Zweitwohnsitz von Autor Paul Smit. Dieser Stadtspaziergang widmet sich interessanten Geschäften, Restaurants und Cafés ebenso wie Kultur und kleinen Anekdoten zur Geschichte. Leiden ist die wahrscheinlich schönste Stadt der Niederlande, mit dem zweitgrößten historischen Zentrum (nach Amsterdam). Dies hat viele Antiquitätengeschäfte angezogen, wodurch die Stadt sich zur besten Adresse für Liebhaber alter Schätze entwickelt hat. Dank der größten Universität der Niederlande, der höchsten Museumsdichte pro Quadratkilometer und der schwimmenden Terrassen sprüht Leiden zudem vor Leben und Kultur.

Zu dieser Reportage gehören ausführliche praktische Informationen, wie z.B. Adressen und Öffnungszeiten.

Textauszüge

Die Wanderung beginnt bei der Bushaltestelle in der Breestraat. Hier halten die meisten Busse vom Bahnhof aus und der kostenlos Taxibus ab dem Parkplatz Haagweg. Mit dem Rücken zur Straße geht man nach links und dann rechts in den Pieterskerk-Choorsteeg, wo sich schon gleich verschiedene außergewöhnliche Läden konzentrieren. Noroc verkauft Espressomaschinen, während das dazugehörige Kaffeehaus ausgezeichneten Kaffee serviert. Bei Art Nail, dem Make-up-Studio gegenüber, werden Fingernägel in Kunstwerke verwandelt. An der Ecke befinden sich zwei Secondhand-Bekleidungsgeschäfte, die viel alte Wäsche und Hüte verkaufen. Sie müssen sich links halten, aber geradeaus sehen Sie noch mehr Hüte: Het Hoedengilde. Viele Entwürfe sind von fernöstlichen Einflüssen inspiriert. >>><<< In 't Spiegel, Nummer 91, strahlt einem die französische joie de vivre aus wohl hundert schnörkelig gerahmten Spiegeln entgegen.

Etwas weiter rechts folgt ein schmales Tor. Es ist der Gekroonde Liefdepoort, wo einst Jan Steen lebte, der Maler der geselligen Haushalte des 17. Jahrhunderts. Dahinter befindet sich eine gelungene Kombination moderner und alte Höfe, wobei das Pieter Gerritsz. Speckhofje (hinten rechts) eine kleine Perle ist. Es ist der einzige der fünfunddreißig Leidener Höfe, in dem die Backsteinhäuser weiß gestrichen sind. >>>

Wir gehen geradeaus in den Kloksteeg, am Templum Salomonis, dem ältesten Buchladen der Stadt, vorbei. Het Prentenkabinet, ein paar Gebäude weiter, ist eines der schicksten Leidener Restaurants. Einst war hier tatsächlich das "prentenkabinet" (Kupferstichkabinett) untergebracht und es ist mit viel Auge fürs Detail restauriert worden. >>>

<<< Wir gehen rechts auf den Pieterskerkhof, in meinen Augen der schönste Platz der Stadt. Autofrei und flankiert vom burgartigen Gravensteen und der mächtigen Pieterskerk. Bis 1512 stand an der Stelle dieses Platzes der 120 m (!) hohe Kirchturm, doch damit hatte man sich übernommen, und nach dem Einsturz wurde er nie wiederaufgebaut. Der Reiz des Platzes wird von den Leidenern noch nicht erkannt. Selbst an lauen Sommerabenden fehlen geflochtene Terrassenstühle und der Hall von Stimmen. >>>

Das üppige Grün bringt Sie in Stimmung für den Hortus Botanicus. Sie gelangen dorthin, indem Sie links in den Doelensteeg zu gehen, vorbei an Camino Real - die kreativste Küche Leidens in malerischem 80er-Jahre-Design - und anschließend, wieder auf dem Rapenburg, rechts unter dem Tor neben dem Academiegebouw hindurch. Der Hortus, Hollands ältester botanischer Garten, ist berühmt für seine Gewächshäuser mit tropischen Naturwundern, wie z.B. brasilianische Riesenwasserlilie und Amorphophallus. Ein Stück weiter haben Japaner einen Garten zum Gedenken an den Pflanzensammler Von Sieboldt angelegt. An anderer Stelle entfalten sich exotische Pflanzenarten vor dem Dekor der Leidener Sternwartenkuppeln. Sonntags wehen Klänge klassischer Musik durch das Grün, dann verwandelt sich die Orangerie in einen Konzertsaal.

Am besten gefällt mir der Clusiustuin, eine naturgetreue Kopie des Hortus, wie er kurz nach der Gründung im Jahre 1590 aussah. Es ist ein malerischer Hof, wo in strenger Ordnung alle Pflanzen wachsen, die damals als bedeutsam für das Medizinstudium galten.

Dem Rapenburg folgend, gelangt man zum Van der Werfpark, angelegt an einer Stelle, an der 1807 ein Schiff mit 18 Tonnen Schießpulver explodierte. Vorschriftswidrig hatte das Schiff mitten in der Stadt angelegt, weil die Schiffer unbedingt einen Schnaps trinken wollten. Der Knall war bis nach Den Haag zu hören. >>>

<<< An der Ecke am Ende finden Sie die Klare Lijn. Obwohl es in Leiden vor Antiquitätengeschäften nur so wimmelt, hat Inhaber Hans Olijerhoek immer seine abweichende Vision aufrechterhalten. Er beschränkt sich auf die 20er bis 60er Jahre und hat viel Glas, Lampen, Schultafeln und Art Deco Figuren. Daneben ist er ein Liebhaber hölzerner Archiv- und Museumsschränke mit ihrem faszinierenden Rhythmus von Schubladen, Griffen und Etikettenhaltern. Im Schaufenster stapeln sich die holzverkleideten Elektrogeräte der 30er Jahre, voller Knöpfe, Hebel und Anzeigen. Sollte dieses Interesse an wissenschaftlichen Sachen aus Hans‘ eigentlichem Background entstammen? Vor noch nicht allzu langer Zeit stand er als Mathematiklehrer vor der Klasse. Daher natürlich auch diese "Klare Linie"...

Die zweite Überraschung ist die De Bontekoe schräg gegenüber, eine der stimmungsvollsten traditionellen Kneipen von Leiden. Das Lokal wurde um 1900 als Metzgerei entworfen und ist noch immer mit Wandkacheln verkleidet, die im Stil der Haager Schule mit Kühen und holländischen Landschaften bemalt wurden. Die Kneipe zieht vor allem kreative Vierziger an, die ihre Midlife-Krise meistern, indem sie abends zusammen ins Glas schauen.

 

Zurück in der Nieuwstraat, sehen wir die Hooglandse Kerk aufragen, ebenso wie die Pieterskerk ein spätgotischer, zierlicher Riese. Dieses Exemplar besitzt jedoch ein vollständig weißes, ätherisches, hohes Interieur. Auf der linken Seite passieren Sie das unauffällige Geschäft Anterieur, das nur samstags geöffnet hat. Der Name ist eine Kombination von Interieur und antik, die Inhaber sind Restaurateure. Hier liegen die Sachen kunterbunt durcheinander, wodurch es scheint, als würde man eine alte Rumpelkammer betreten, die hundert Jahre nicht geöffnet wurde. Es weckt das Gefühl, dass man irgendwo etwas hervorziehen kann, das noch niemand zuvor gesehen hat.

Links um die Ecke, im Beschuitsteeg 9, befindet sich das wunderlichste Museum Leidens. Es steht in keinem Museums- oder Reiseführer, und obwohl ich selbst aus Leiden stamme, entdecke ich es jetzt erst: das Leiden American Pilgrim Museum. Inzwischen finde ich das kleinste Museum auch am schönsten, weil man die Informationen nicht über Infotafeln erhält, sondern mündlich – von Direktor/Konservator/Sammler/Führer Jeremy Bangs selbst. Was ist schöner als eine gute Geschichte, zu der allerlei Gegenstände, Tafeln, Bücher und Raritäten gezeigt werden. Vitrinen fehlen; man ist zu Gast in einem Original-Wohnzimmer aus dem 17. Jahrhundert, in dem ein Pilgrim Father sich sofort heimisch fühlen würde. >>>

Über den Burgsteeg erreichen Sie die Koornbrug. Dort, am Nieuwe Rijn, schlägt das Herz der Stadt. Hier ist mittwochs und samstags Markt. >>>

 

Übersetzung aus dem Niederländischen: Britta Smit

 

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Diese Reportage wurde im KAMPIOEN, der Zeitschrift des niederländischen Automobilclubs, veröffentlicht. Qui Touring, das Magazin des italienischen Automobilclubs, verwendete die Fotos.


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